Maria Anwander

Maria Anwander: My Most Favourite Art (seit 2004)

Seit 2004 stiehlt und sammelt die österreichische Wahlberlinerin Maria Anwander Titelschilder (inzwischen 101) der von ihr am meisten geliebten Kunstwerke aus Museen und Galerien — ein Akt der Kleinkriminalität, der ihr von Kuratoren und Konservatoren nachgesehen wird. Die Plaketten spiegeln nicht nur die Faszination gegenüber bestimmten Kunstwerken wider, sondern zeigen auch, wo sich Anwander zu welchem Zeitpunkt aufgehalten hat. Per Installation My Most Favourite Art entstehen so eine Art privates Kunst(reise)tagebuch und eine Sammlung, die Einblicke in ihr Inneres und die Werke Anderer gestattet, die ihre Künstlerkarriere begleiten.

Die Arbeit 8.75 meters of fame (2012) zeigt eine Szene, wie sie dem Betrachter aus der Welt der Stars bekannt ist: ein roter Teppich, Blitzlicht, ein Hintergrund mit Logos. Wo sonst nur Prominente posieren, kann nun gleich vor einer Vielzahl weltbekannter Logos von Kunstinstitutionen wie Whitney, Guggenheim und Art Basel ein Foto aufgenommen werden. Die Künstlerin demokratisiert den roten Teppich und fragt gleichzeitig: Welche Aufmerksamkeit wird einer Kunstinstitution aufgrund ihres Markennamens und ihrer sonstigen PR-Arbeit zuteil?

Ein Raum der Ausstellung bleibt mit einem Band versperrt, an der Wand ist zu lesen: Bitte beachten Sie, dass dieser Raum geschlossen bleibt, da die darin gezeigte Arbeit unter Umständen nicht Ihren ethischen Vorstellungen entsprechen könnte (Ohne Titel, 2014).

Robert Hagmeister (18.10.2016)