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Does Humor Belong in Art?

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u.a.

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Yoshua Okón (MX)

Die Arbeiten des Mexikaners Yoshua Okón gliedern sich in eine Art seriell angeordneter, soziologischer Experimente, die vor der Kamera ausgeführt und filmisch dokumentiert werden. Okón fusioniert inszenierte Situationen, dokumentarisches Footage und zufällige Improvisationen zu einem kritisch hinterfragenden Werkkomplex, der die gewohnten Wahrnehmungen und Ansichten von Realität und Wahrheit dem eigenen Selbst und seinen moralischen Einstellungen hinterfragt. Für „Parking Lotus“ (2001) wurden Sicherheitsbeamte in Los Angeles und Umgebung gebeten, an ihren Einsatzstellen – verschiedenste Parkplätze und -häuser – zu meditieren. Die Acht Fotografien zeigen die Polizisten versuchsweise den Lotussitz einnehmend, der der Form einer Lotusblüte nachempfunden ist, wobei die Beine verschränkt sind, der rechte Fuß auf dem linken Oberschenkel nahe der Leistenbeuge und der linke Fuß entsprechend auf dem rechten Oberschenkel ruht. Die Fußsohlen zeigen nach oben. Das lange, unbewegliche Sitzen, das wichtige Vorraussetzung für das besinnliche und entspannende Meditieren ist, soll so gewährleistet werden. Amüsierend vereint Okón ein ums andere Mal scheinbar Unkombinierbares und mag die porträtierten Großstadtbeamten ihren Kollegen eine subtil-formulierte Empfehlung vorstellen.

Das unspektakuläre Parkplatz-Setting untermalt auch die zweite Arbeit Okóns. Die 4-Kanal-Videoinstallation, eingefärbt von der US-amerikanischen Tradition, kriegerische Auseinandersetzungen in Reenactments nachzustellen, lässt den Bürgerkrieg in Guatemala wieder aufleben. Jene theatralischen Schauspiele finden zumeist an Originalschauplätzen historischer Schlachten statt, werden jedoch von Akteuren dargestellt, die selbst nicht anwesend und beteiligt waren. In „Octopus“ (2011) jedoch ist die Verortung nicht am historischen Geschehen orientiert, sondern hat einen symbolischen Charakter: das Schlachtfeld wurde auf US-amerikanischen Boden umgesiedelt, auf den Parkplatz einer Home-Depot-Filiale in Los Angeles, worauf die zugehörigen Eimer hinweisgebend sind. Die Darsteller dagegen sind die tatsächlichen Aufständischen, die in den 1990er Jahren im hier nachgestellten Bürgerkrieg kämpften: Die zwölf Protagonisten sind derzeit illegal in den USA lebende Immigranten ohne Dokumente und gemeinsam auf der Suche nach Arbeit als Tagelöhner. Der Parkplatz, wo das Video gedreht wurde, ist fester Treffpunkt für die der Los Angeles Mayan Gemeinschaft angehörenden Männergruppe.
Der Titel des Videos bezieht sich auf den guatemaltekischen Spitznamen für die „United Fruit Company“ (UFCO, heute „Chiquita Banana“), eine in Guatemala niedergelassene US-amerikanische Firma, die in nicht unwesentlich zum von der CIA angezettelten und zum Bürgerkrieg führen den Putsch beitrug. Zu dieser Zeit war die UFCO Guatemalas größter Landbesitzer mit seinem Privileg der Exportsteuerfreiheit (seit 1901), seinem Hafenmonopol und exklusiven Nutzungsrechten für nationale Zugstrecken und Telegrafensysteme – UFCO kontrollierte 10 % der guatemaltekischen Wirtschaft.
„Parking Lotus“ und „Octopus“ werden erstmalig in Kombination ausgestellt. Dabei verbindet die beiden Werkgruppen nicht nur die simple Ähnlichkeit ihrer Location, sondern der ironische Umgang mit und das gewitzte, bis zuweilen sarkastisch-zynische Hinterfragen von Autoritäten, Reglementierungen, Gewalten, Politiken, Kräftemessen und Machtstreben: Themen, mit denen Okóns Werke sich grundsätzlich beschäftigen, wobei er ihre Auswirkungen und Folgen im Hinblick auf individuelle und gesamtgesellschaftliche Geschichten, Vorgänge und Entwicklungen bezieht.

ACC Redaktion (19.12.2014)