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Does Humor Belong in Art?

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Egill Sæbjörnsson (IS)

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u.a.

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Egill Sæbjörnsson (IS)

Egill Sæbjörnssons Animationen toter Dinge sind die (techno)logische Fortführung seiner Malerei mit multimedialen Mitteln. Scheinbar wahllos herumliegende Dinge erwachen in „The Box“ zu einem eigensinnigen Leben. Die aberwitzigsten Dinge hüpfen nach und nach aus der Pappschachtel. Mit großem Gebrüll erscheint ein Tiger. Quietschend steigt ein roter Ballon auf, explodiert und verwandelt sich in ein Vögelchen, das hektisch zu einem Trommelwirbel flattert um sich dann in einen Eimer zu verwandeln, der zu Boden stürzt. Doch bevor er den Boden berührt, verwandelt er sich in eine Silvesterrakete, die wie wild hin und her jagt, bevor sie von einem Horrorfilm-Soundtrack untermalt zu einer kleinen, bösartigen Wolke wird. Die ebenso poetischen wie komischen, auch bei Kindern beliebten Mixed-Media-Installationen des in Berlin und Reykjaík lebenden Musikers und Künstlers kommen leichtfüßig daher, stellen dabei jedoch unsere Konzepte von lebender und toter Materie, Lebewesen und Gegenständen, Subjekten und Objekten in Frage. Eine Idee, die nicht nur durch die aufscheinende, smarte Welt zunehmender Digitalisierung und Computersisierung ins Wanken gerät. Dass bald unsere Zahnbürste mit uns sprechen wird, wie Sæbjörnsson sagt, ist nicht wirklich eine Prophetie. So werden Gegenstände zu „Aktanten“ (Bruno Latour), deren Auswirkung auf unser Leben nicht zu unterschätzen ist. "Warum verfechte ich die Lebendigkeit von Materie? Weil ich fürchte, dass die Vorstellung einer toten oder vollständig instrumentalisierten Materie die menschliche Hybris nährt und unsere die Erde zerstörenden Eroberungs- und Konsumfantasien schürt“, argumentiert Jane Bennet in ihrem Buch „Vibrant Matter“ (2010). In Sæbjörnssons Arbeiten führen Ping-Pong-Bälle Tänze („Ping Pong Dance“) und Steine theatrale Dialoge untereinander und mit den Besuchern („The Egg or the Hen, Us or Them“) auf. „Darin besteht vielleicht einer der grundlegenden Aspekte von Egills Arbeiten – in dem Gedanken, dass Dinge ein Eigenleben führen und dass Menschen sich in ständiger Zwiesprache mit ihrer Umwelt befinden. Wir sprechen miteinander, aber auch die tote Materie spricht unaufhörlich zu uns. Auch wenn sie nicht Englisch oder Deutsch spricht, so hat sie doch ihre eigene Sprache. Worüber spricht sie? Sie spricht über sich selbst, und zwar 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. ...Alles spricht, ob wir es nun hören können oder nicht.“(Albert H.S.) Gleichzeitig sind diese Arbeiten Sæbjörnssons, der bereits im Teenageralter Musik machte, zuerst als Musiker und später als Künstler debütierte und bis heute fünf Alben veröffentlicht hat, aber dennoch keine Noten lesen kann, Kompositionen visueller Musik. Sie führen ein Eigenleben zwischen bildender und Klangkunst.

ACC Redaktion (19.12.2014)