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Does Humor Belong in Art?

Tymek Borowski (PL)

Young-Hae Chang Heavy Industries (KR)

Jannicke Låker (NO)

Yoshua Okón (MX)

Egill Sæbjörnsson (IS)

Bob and Roberta Smith (GB) 

u.a.

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Jannicke Låker (NO)

 Man könnte Låkers cineastische Minidramen, deren Protagonisten so alltäglich wie skurril sind, als Komödien betrachten. Der Humor liegt im Kontrast zwischen dem langsamen Erzähl tempo, romantischen oder eleganten Settings und den hässlichen bis peinlichen Situationen.

Situationen, die jeder kennt, aber nicht wahrhaben will, Tabuszenen der Einsamkeit, der Eifersucht und des Machtpokers. Låkers Arbeiten sind nicht verkopft, sie sind körperlich, unmittelbar und damit authentisch. Das Lachen bleibt im Hals stecken, denn die Tragik ist von der Komik nur einen Absturz, also Schritt entfernt. Die norwegische Videokünstlerin, die in Berlin lebt, nutzt den Humor, um sich kritisch Tabuthemen zu nähern. In dem man gemeinsam über das Beschämende schmunzelt, tritt man niemandem zu nahe. In „Sunday Mornings“ kehrt eine Berliner Enddreißigerin nach einer durchzechten Nacht sternhagelvoll in ihr großzügiges Appartement zurück, torkelt hilflos durch die Wohnräume bis der Kopf gegen die Tür knallt. Im wunderschönen, aber gnadenlosen Morgenlicht offenbart sich die ganze Erbärmlichkeit der Szenerie, den Moment des Blackout, die Beklemmungen des Folgetages, wenn die Party vorbei ist. Eine Situation, die den meisten nicht fremd sein dürfte. Auch die Künstlerin musste sie am Neujahrstag 2005 erfahren, als sie auf dem Boden vor ihrem Bett aufwachte, mit ihrem zu engen, einst maßgeschneiderten Kleid über dem Kopf. „Ich wollte eine Situation unseres Lebens aufdecken, über die wir nicht gerne sprechen, eine Situation, die die meisten im Westen (zumindest im Norden) kennen sich aber nicht damit auseinandersetzten wollen.“ (Jannicke Låker) Låkers neuester Film „Boogie with you“ ist in dieser Ausstellung erstmals zu sehen. Hier ist das Arrangement nur oberflächlich erfolgreicher Eine wiederum volltrunkene Frau in „ihren besten Jahren“ hat einen jüngeren Mann mit nach Hause gebracht. Doch daraus wird kein romantisches Tête-à-Tête, keine leidenschaftliche Nacht der Nächte. Die aufgestauten Enttäuschungen der Singlefrau entladen sich in einer zusammenhanglosen Litanei über Frauenrechte, Solidarität und norwegisches Erdöl. Der Abend eskaliert in einem unansehnlichen, beschämenden Machtspiel aus beiderseitigen Kränkungen, Missverständnissen und sexuellen Annäherungsversuchen, verbaler und körperlicher Gewalt. In „9 ½ minutes“ beobachten wir eine von Eifersucht geplagte Hausfrau bei der Aufnahme einer Videobotschaft an ihren Ehemann, der sich mutmaßlich in Afrika aufhält. Eigentlich will sie ihn mit seiner Lieblingsspeise und Wein für sich zurückgewinnen. Doch die Situation entgleist. Aus Angst verlassen zu werden, offenbaren sich Neid, rassistische Vorurteile und dunkelste Fantasien. Ihre vermeintliche Rivalin kopierend hüpft die Blondine oben ohne, mit schwarzer Schuhcreme beschmiert, einem Tuch um die Hüften gebunden und einem turbanartig um den Kopf geschnürten Küchentuch durch das Zimmer.
Soll man da noch lachen?

ACC Redaktion (19.12.2014)