<< Rundgang >>

The Politics and Pleasures of Food

Bureau d’études (FR) | Götz Bury (AT) | Mary Ellen Carroll (US) | Rafram Chaddad (TN/IL) | Fallen Fruit (US) | Tom Fecht (DE) |Fernando García-Dory (ES) | Arti Grabowski  (PL) | Laura Junka-Aikio, Pekka Rantanen & Jarno Valkonen (FI) | Jani Leinonen (FI) | Tom Marioni (US) | Rémy Markowitsch (CH) | Lucy + Jorge Orta (GB) | Cooking Sections (GB) | Naufús Ramírez-Figueroa (GT) | Zeger Reyers (NL) | Åsa Sonjasdotter (SE) 

Cooking Sections

Cooking Sections: Dietary Confinement, 2013.

GB

Lebensmittel formen Märkte. Märkte formen Kapitalflüsse. Kapital formt Territorien, Zukunft und Spekulation. Diese staatstragenden Verhältnisse erforscht der spanische Architekt und Stadtforscher Daniel Fernández Pascual in seinen „Geopolitical Cooking Performances“ genannten Aktionen und Lesungen, die der kollektiven Erforschung unsere Beziehungen zu Lebensmitteln dienen. Diese für jeden Ort neu entwickelten geopolitischen Kochaktionen hat er bereits in Kassel (Documenta), in Berlin und New York aufgeführt. Gemeinsam mit Alon Schwabe, Performancekünstler mit Faible für den städtischen Raum, entstand die Performance „The Cured“ – was man sowohl als „Die Gepökelten“ als auch „Die Geheilten“ verstehen kann.  Doch nicht nur im Performativen finden Schwabe und Pascual zusammen: Die Wissenschaft der Urbanistik als ein interdisziplinäres Forschungsfeld begegnet der Konzeptkunst in der fotografischen Serie „Dietary Confinement“ („Ernährungsgefangenschaft“). Cooking Sections – Schwabe und Pascual als Künstlerduo – beschäftigen sich hier mit dem Fluss an Lebensmitteln und anderer Güter, die in den Gaza-Streifen importiert werden. Welche und wie viel Nahrung durch die neu abgesteckten Grenzen gelangen, entscheidet sich danach, wie die politischen Kräfte vor Ort agieren. „Dietary Confinement“ ist so die Übersetzung der jährlichen Nahrungszustellungen in die Gaza-Zone: die 52 zubereiteten Eierkuchen zeigen als essbare Karten das Jahr 2013 im Gaza-Streifen auf. Einige sind verbrannt, ungenießbar, verkohlt, nämlich dann, wenn in der jeweiligen Woche reichlich Gas zum braten vorhanden war, allerdings nur wenig Öl importiert wurde. Andere sind, an jenen Tagen als kein Gas geliefert wurde, nahezu roh. Manche sind groß, andere winzig, je nachdem, wie erträglich die Wagenladungen waren, die den Grenzstreifen erreichten, ob Eier, Mehl, Milch fehlten oder zu genüge und ungleich vorhanden waren. Gab es einen Anschlag nahe Israel, oder war ein Jüdischer Feiertag, sind die Grenzen geschlossen geblieben – und der Teller leer. Die mehr oder weniger hohen Nährstoffwerte erläutern die entsprechende, von politischer Handhabe abhängiger Qualität der Eierkuchen.

ACC Redaktion (17.07.2014)