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Mit krimineller Energie #3

Ausstellung des 19. Atelierprogramms der ACC Galerie und der Stadt Weimar

 

17.4. ­ – 1.6.

Eröffnung 16.4. | 20 Uhr

Nathania Rubin (US)

Nikolai Nekh (PT)

Caitlin Baucom (US)

 

Nikolai Nekh (PT)

The Stone of Bad Fortune, 2013.

Nikolai Nekh lebt und arbeitet in Lissabon. Seine künstlerische Praxis beruht auf der Produktion und Distribution von Bildern. Den komplexen Prozesses der Zirkulation nutzt Nekh nicht nur zur Verbreitung eines Bildes. Als Bestandteil von Nekhs Werken sorgt er für unerwartete Reaktionen auf eigentlich alt bekannte Bilder. Nekhs Zugang zum Thema des Studioprogramms „Kunst und Kriminalität“ begann mit dem Gedanken an die gesellschaftliche Unfähigkeit, bestimmte „Tatorte“ aufdecken und wahrnehmen zu können: Wie viele Verbrechen wurden im letzten Jahrhundert durch verschiedenste Institutionen legitimiert? Wurden derartige Aktionen als Verbrechen wahrgenommen? Innerhalb einer Institution kann ein Spezialist Grenzen zum Wohle der Produktivität überschreiten – und wir können den Tatbestand kaum definieren, denn die spezialisierte Fachsprache entzieht sich unserer Kenntnis. Nekh stellten sich weitere Fragen: Welche Art von Verbrechen kann ein Bild zeigen? Wohin führt die Ästhetisierung eines Verbrechens? Wie hat man mit Bildern umzugehen, die unter Umständen entstanden, die nichts mit dem Verbrechen zu tun haben, das sie repräsentieren sollen? All das hinterfragt das Video Famous Photographer Tells How. In dieser Arbeit wird ein Monolog des US-Fotografen Arthur Fellig (aufgrund seiner besonderen Arbeitsweise war er besser bekannt als Weege, „Zaubermeister“) über seine fotografische Tätigkeit mit Filmmaterial eines Militärsuchtrupps unmittelbar nach dem Absturz der Air-France-Maschine, Flug 447, verwoben.

Gegenüber findet sich ein weiteres Zitat. Si j‘avais quatre dromadaires, Titel eines Essays von Chris Marker (1966), das mit den Worten beginnt: „Fotografieren bedeutet Jagen, bedeutet Jagdinstinkt und Lust am Töten. (...) Man schleicht sich an, man zielt, man schießt und klick – statt eines Toten gibt es einen Verewigten.“ Ein anderes Video verwandelt den „Stein des Glücks“ bei Goethes Gartenhaus als Negativ in den Stone of Bad Fortune (Stein des bösen Schicksals). Das Video erleuchtet die Skulptur Telos, die auf Euroscheinen abgebildete architektonische Elemente zeigt, als abstrakte Bezüge zu Epochen der Architekturgeschichte, die mit dem geldlichen Wert korrespondieren: Je moderner das abgebildete Bauwerk, desto höher ist der Wert der Banknote. Jene Symbolhaftigkeit ist eng verbunden mit dem „Mythos des Fortschritts“, der ein ums andere Mal ausgenutzt wurde, um Verbrechen legitimieren und fortsetzen zu können: Als oberste Rechtfertigung wird die anzustrebende und notwendige Verbesserung unserer Lebensqualität vorgebracht. Die Rückseiten der Bauwerksabbildungen zeigen Fotos von Polizeikräften, die sich für den Einsatz während der Frühjahrsdemonstrationen 2012 gegen die EZB im Finanzbezirk Frankfurts bereit machen. Jene Proteste richteten sich unter anderem gegen dubiose hellseherische Voraussagungen über Aktienkurse, die etlichen Anlegern Verluste einbrachten. Die Aufnahmen schoss Nekh selbst – auf seinem Weg nach Weimar, um sein Stipendium anzutreten.

 

 

ACC Redaktion (28.03.2014)