Rory Macbeth

Rory Macbeth: Wake, 2013.

Rory Macbeth befreit sein ungewöhnliches Kunstobjekt, ein Schwanentretboot aus einem Vergnügungspark nahe Yorkshire, von seiner kitschigen, auf Amüsement reduzierten Funktion und erweckt es zu neuem, unabhängigen Leben. Ehrlich genug, zu gestehen, in keinerlei Kontext mehr gesetzt zu sein, gewinnt das Relikt ähnlich einer abgespielten Theaterkulisse durch den ihm neu zugeschriebenen Raum an Stärke, Eigenständigkeit und Würde. Mit kraftvoller Poesie verweist es auf die Unvereinbarkeit zwischen Wunschvorstellung und Realität, verweigert sich jeglicher Verleugnung und dem zwanghaften Aufrechterhaltens einer Illusion. Unabhängig von Richard Wagners Schwanenfigur im Lohengrin formuliert es zwar keine direkte Kritik an dem künstlerischem Bestreben des Komponisten, wohl aber zeigt es die Zwangsläufigkeit der Erkenntnis auf, dass keine Oper, keine Geschichte, keine Illusion vollends wahrhaft, sondern viel eher die Flucht vor der Wirklichkeit sein mag. 

ACC Redaktion (28.08.2013)