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When Violence becomes Decadent

Kurator: Shaheen Merali

Ausstellung vom 10.2. bis 5.5.2013

Sarnath Banerjee

Binu Bhaskar 

Rajib Chowdhury

Samit Das 

Natasha de Betak 

Probir Gupta 

Rajkamal Kahlon 

Jitish Kallat

Leena Kejriwal 

Oliver Laric 

Simit Raveshia

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Probir Gupta

Probir Gupta: Ausstellungsraum im ACC

Über den Künstler und seine Fotomontagen in der Ausstellung "When Violence becomes Decadent"

Warum steht ein Mann mit Blumenkette in militärischer Pose auf einem Berg Kartoffeln? Warum steht eine indische Familie barfuß in Paris – ist sie zu arm, um sich Schuhe leisten zu können oder glaubt sie, der Boden zu ihren Füßen sei heilig? Probir Guptas Fotomontagen geben dem Besucher Rätsel auf. Dass der Betrachter sich diese Fragen stellt, ist vom Künstler gewollt. Aus diesem Grund setzt sich der Bengale Gupta in Fotomontagen als staatlicher Führer in Szene, mit einer Blumenkette um den Hals, die in Indien als Zeichen der Anerkennung an wichtige Personen übergeben wird. Mit erhobener Hand salutiert er dem Betrachter – z.B. vor einem repräsentativen Gebäude, vor einem Marktstand oder vor einer mit Werbung plakatierten Wand, stets aber auf einem Haufen Kartoffeln. Diese sind, neben der Zwiebel, das Grundnahrungsmittel der Inder. Jedoch ist der Preis für Kartoffeln in Indien in den letzten Jahren drastisch gestiegen und Millionen von Menschen aus den ärmeren Bevölkerungsteilen können sich dieses Grundnahrungsmittel inzwischen nicht mehr leisten – eine Folge des enormen Bevölkerungswachstums und dem damit einhergehenden Mangel an Ressourcen. Menschen wie der von Gupta verkörperte «Führer» kontrollieren die Lebensmittel und haben so die Macht über das Wohlergehen eines Großteils der Inder. Doch wenn die Bevölkerung stetig wächst und die (Nahrungs-)Ressourcen, durch die politische Führung«kontrolliert» werden, ausgehen und im Preis steigen, signalisiert das weitreichende Probleme.

Neben diesen Fotomontagen stellt das ACC eine weitere Arbeitsserien Guptas aus, in der der Künstler mit den Vorurteilen und Erwartungen des Betrachters spielt. Eine Fotomontage zeigt einen indischen Mann in Anwaltsrobe vor dem Arc de Triomphe. Für Gupta verbergen sich hinter diesem Bild folgende Fragen: Akzeptiert ein Europäer den in Paris arbeitenden indischen Anwalt? Erwartet er von ihm, dass er dasselbe leisten kann wie ein hellhäutiger Anwalt oder hindern ihn die Vorurteile, die er gegenüber Nicht-Europäern hat, an einer objektiven Beurteilung?

Ähnliche Fragen will Gupta mit den Familienfotografien aufwerfen, die mit bloßen Füßen oder gemeinsam mit einem Elefanten vor europäischen Wahrzeichen steht. Der Betrachter muss eigene Erklärungen zu Guptas Fotografien finden. Ob er sich dabei von seinen eigenen Vorurteilen leiten lässt, liegt an ihm selbst.

ACC Redaktion (04.04.2013)