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When Violence becomes Decadent

Kurator: Shaheen Merali

Ausstellung vom 10.2. bis 5.5.2013

Sarnath Banerjee

Binu Bhaskar 

Rajib Chowdhury

Samit Das 

Natasha de Betak 

Probir Gupta 

Rajkamal Kahlon 

Jitish Kallat

Leena Kejriwal 

Oliver Laric 

Simit Raveshia

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Rajkamal Kahlon

Rajkamal Kahlon: Ausstellungsansicht

Über die Künstlerin und ihre Bilder in der Ausstellung "When Violence becomes Decadent"

Rajkamal Kahlon verwendet mal verspielt, mal ernst das rasse- und völkerkundliche, oft groteske, pathologisierende und kriminalisierende Bildrepertoire aus den Archiven des Kolonialismus und seiner Repräsentation auf Bildtafeln ebenso wie Illustrationen aus kolonialmilitärischen Strategiebüchern. Diese Illustrationen dienen ihr als Inspiration für ihre Kunst.

Kahlons Werke sind ein Angriff auf das vorhandene Bild, denn sie eignet es sich an, überzeichnet, verwandelt, zerstört es, wodurch sie den Blick durch das fremde «koloniale Auge» auf Indien spiegelt, wechselt, blockiert und die Frage nach dem Recht auf Selbstrepräsentation stellt. Zugleich sind ihre Werke auch eine Kritik am Vergessen ihrer Herkunft. Oft als «Historikerin» betitelt, sieht sich Kahlon nicht als solche, sondern vergleicht sich eher mit jemandem, der in einem Antiquariat stöbert.

Beim Stöbern fand sie so zum Beispiel ein Bild zweier traditioneller indischer Kushti-Ringer. Bei Kahlon wird aus dem Ringen der beiden der Kampf zwischen dem traditionellen und modernen Indien, verkörpert durch einen Mann in traditioneller Kushti- Ringkämpferkleidung und einen modernen Mann im Nadelstreifenanzug. Auf einer aus einem Buch herausgerissenen Illustration zeichnet sie der indischen Göttin des Todes und der Erneuerung, Kali, einen Büroanzug über, wie er in den 1980ern in US-TV-Seifenopern wie «Dynasty» zu sehen war: mit nach außen verstärkten, Macht repräsentierenden Schulterpolstern. Dies ist Kahlons Art, die Frage aufzuwerfen, ob die indische Göttin heute einer erfolgreichen Geschäftsfrau gleichkommt.

Eine weitere historische Illustration zeigt drei Männer in farbenprächtigen Gewändern. Sie repräsentieren drei verschiedene Bevölkerungsgruppen in Indien. Auch diese Darstellung stammt aus einem Buch aus der Kolonialzeit und auch hier hat Kahlon verfremdende Elemente hinzugefügt. Zwei der Männer tragen Totenkopfmasken – möglicherweise deutet sie damit an, dass diese Männer und die Traditionen, die sie verkörpern, ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind.

Alle ausgestellten Werke Kahlons beleuchten Indiens Kolonialgeschichte, transportieren Grafiken und Illustrationen dieser Zeit in die Gegenwart und eröffnen so völlig neue Interpretationsmöglichkeiten. 

ACC Redaktion (04.04.2013)