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When Violence becomes Decadent

Kurator: Shaheen Merali

Ausstellung vom 10.2. bis 5.5.2013

Sarnath Banerjee

Binu Bhaskar 

Rajib Chowdhury

Samit Das 

Natasha de Betak 

Probir Gupta 

Rajkamal Kahlon 

Jitish Kallat

Leena Kejriwal 

Oliver Laric 

Simit Raveshia

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Natasha de Betak

Natasha de Betak: Speaking Tree, 2007

Über die Künstlerin und ihr Werk in der Ausstellung "When Violence becomes Decadent"

Natasha de Betak behandelt in ihren Fotografien und Filmen vor allem die Schattenseiten des menschlichen Daseins. Mit der Kamera zieht sie durch die ärmlichen Gebiete der Städte, fotografiert schlafende Straßenkinder und Obdachlose, die von den meisten anderen Menschen bewusst übersehen werden. Dadurch wirken ihre Bilder sehr direkt. All ihre künstlerischen Werke sind in Schwarz-Weiß gehalten. Natasha de Betak meint selbst: «Ich mag das Lebendige. Ich mag Schwarz-Weiß. Ich suche nach Struktur und Beschaffenheit der Objekte. Meine Schauspieler sind lebendig, realistisch und Schwarz-Weiß. Die Farbe spricht mich nicht an. Einen grünen Baum könnte ich niemals abbilden.»

Für ihren drastischen Dokumentarfilm «Speaking Tree» (2007) hat sie über einen Zeitraum von mehreren Jahren einen einfachen indischen Bauern begleitet, der seinen Verstand verloren hat, nachdem er mit ansehen musste, wie eine seiner Ziegen von einem wilden Tier gerissen wurde. Als er sich ihr näherte, lag sie im Sterben. Ihren Tod verkraftete er nicht, er fing an, mit sich selbst zu reden, konnte nicht mehr bei Frau und Kind bleiben, die sich mit Anderen ein Haus teilten. Medizinische Versorgung gab es nicht. Die Dorfgemeinschaft konnte gerade so überleben und seine Frau konnte sich aufgrund fehlender medizinischer Hilfe nicht um ihren psychisch kranken Mann kümmern. Acht Jahre lang war er aufgrund seiner psychischen Erkrankung nicht in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Der einzige Weg für den Verrückten war zu seiner Mutter zurückzukehren, die schon sehr alt war, weswegen auch sie nicht permanent auf ihn aufpassen konnte, sodass ihr nichts anderes übrig blieb, als ihn sieben Jahre nahe am Haus an einen Baum festzubinden, damit er in seinem Wahn nicht in die Wüste gehen und dort sterben würde. Dann ereilte den Mann ein zweites Trauma, ein großes Erdbeben, das zwar sein Haus zerstörte, ihn aber aus seinem ersten Trauma herausrüttelte, es überlagerte, seine Sinne genesen ließ, Gesundheit und Verstand wiederherstellte. Erst danach war er wieder frei.

Natasha de Betaks Film vermittelt mit wunderschönen, ruhigen und tiefsinnigen Bildern einen eindrucksvollen Einblick in das Leben der indischen Landbevölkerung und lässt die Probleme erahnen, mit denen diese Menschen konfrontiert sind. Täglich ziehen Abertausende vom Land ins überfüllte Mumbai, nach Delhi oder Bangalore, werden förmlich in den Wahnsinn getrieben, denn die Situation der indischen Bauern in den 600.000 Dörfern ist fragil: Ihr Überleben hängt von der Verwendung genetisch veränderten Saatguts und Düngers ab, das sie sich nicht leisten können, weswegen sie Probleme bekommen und sich nicht selten das Leben nehmen. Die Stadt ist einziger Ausweg.

ACC Redaktion (04.04.2013)