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Die Ideale Ausstellung

23. August 2009 bis 25. Oktober 2009

Jean Jacques Avril (FR) | Guy Ben-Ner (IL) | Knut Birkholz (NL) | Sebastian Brandt (DE) | François Burland (CH) | Fernando Clavería (ES) | Walter Determann (DE) | Tina Fiveash (AU) | Johann Wolfgang von Goethe (DE) | Rodney Graham (CA) | Hancock Shaker Village (US) | Antti Laitinen (FI) | Elysa Lozano (US) | Oneida Community Mansion House (US) | Michelangelo Pistoletto (IT) | François Plée (FR) | Menschenrechtsorganisation PRODEIN (ES) | Christian Gottlieb Priber (DE) | Reiner Riedler (AT) | Karl Hermann Roehricht (DE) | Ho-Yeol Ryu (KR) | Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (DE) | Cornel Wachter (DE) | Carsten Weitzmann (DE)

Rodney Graham

Rodney Graham: How I Became a Ramblin' Man, 1999.
35-mm-Film übertragen auf DVD / 9:00 min., Leihgabe der Friedrich Christian Flick Collection.

Der Künstler selbst, als Cowboy kostümiert, ist zentraler Träger der einfachen, selbstbezogenen Handlung in Rodney Grahams "How I Became a Ramblin' Man" (Wie ich ein Wandersmann wurde, 1999, 35-mm-Film übertragen auf DVD / 9:00 min., Leihgabe der Friedrich Christian Flick Collection). Bummelnd reitet er durch die Prärie, um schließlich innezuhalten und einem "Troubadour à la Bob Dylan oder Donovan" (Graham) gleich ein selbst geschriebenes, melancholisches Lied über sein einsames Landleben zu singen. Gedreht in warmen, nostalgischen Farben als Breitwandfilm in Kinoqualität, ist die Nähe des Plots zu Kostümfilm, Maskerade und Travestie nicht ohne Absicht. Es wimmelt an Verweisen ins Genre des zeitgenössischen Musikvideos, in die Welt der Werbung und die melancholische amerikanische Westernromantik und deren musikalische Szenen, die man "in den Hollywood-Western von Roy Rogers und Gene Autry, dem ersten singenden Cowboy, ebenso findet wie bei Sterling Hayden, der in der Anfangsszene des Westerns ‚Johnny Guitar' mit nichts als seinem Instrument auf dem Pferd in die Stadt reitet" (Graham). Mit poetischer Ironie, Raffinesse und konzeptueller Originalität verbildlicht Rodney Graham in seinem komplexen, Realität und Fiktion kombinierenden, Oeuvre Bezüge zwischen den verschiedenen Ebenen des Alltags und der Kultur- und Geistesgeschichte. Die Wiederholung, die Endlosschleife einer Bildsequenz oder einer Soundformation als formales und strukturelles Prinzip, spielt - neben ihrer transzendenten und meditativen Qualität - auch aus simplen, praktischen Gründen eine zentrale Rolle in Grahams Werk: Im Gegensatz etwa zum Kino, wo die Vorstellungen zeitlich festgelegt sind, kann man im Kontext eines Kunstraumes niemals den Zeitpunkt voraussagen, wann genau der Besucher die Installation betreten wird.

Marko Meister (17.09.2009)