Kindergeschichten

Dauer der Ausstellung: 21. April bis 13. Juni 1995

Sati Zech (DE)

Kindergeschichten

Sati Zech: Kindergeschichten, 1995.

Dauer der Ausstellung: 21. April bis 13. Juni 1995

Sati Zech (DE)

Sati Zechs vom Schichten, Reisen, Kleistern und Nahen angenehm zerfledderten Werke zwischen Gemälde, Zeichnung und Skulptur lassen umkämpfte Form, widerrufene Farbgebung erahnen. Ihre Kindheit, deren Wichtigkeit und Verlust wie auch die optischen und haptischen Eindrucke, die sie hinterließ, materialisierten sich in Sati Zechs Collagen, Fotografien und kleinen plastischen Wachsarbeiten. Stuck um Stuck holte sie das hervor, was gemeinhin verdrängt oder vergessen wird, gab dem Suppe löffeln (1994) wieder Farbe und Kontur, Zartes fand sich neben Deftigem, Subtiles neben Monströsem, Kuhfüße (1995) neben Pferdemäulern. Die Erinnerung war nicht bunt, sondern schlicht, schwarz oder grau. Hier und da mischte sich wie beim Radio (1995) ein leuchtendes Rot in die aus Papierfetzen, fragil und verletzlich, gegen eine Bildfestigkeit verleimten, überklebten, zerrissenen, zerstörten, bemalten, zerkratzten und gegen die Geschlossenheit einer künstlerisch formulierten Begrifflichkeit konzipierten Arbeiten. Auch der von der Decke baumelnde Brummer (1995) nahm sich in seinem Tiefrot wie ein Signal aus. Was war mit dem Traum, die Kindheit zu verlassen – wegzufliegen, um erwachsen zu werden? Sati Zech schöpfte für ihre Symbolwelt aus einem einfachen, alltäglichen Vorrat: Tasche, Kamm, Strapse, Euter, Korsett, Büstenhalter, Kreisel, Tisch, Handtasche. Gleichwohl erinnerten die Referenzen in ihrer Spontaneitat an Urmuster und kindliches Erleben, „reflektierten das Werden der Dinge aus dem Schatten der Projektion ihrer Erinnerungen und ursprünglichen Erfahrungen. Das Schrundige, Zerrissene und Zerstückelte ihrer Papierreliefs und Plastiken verdeutlichte den Prozess dieses Werdens, seine materielle Gewalt und erhielt den Dingen einen offenen und abgeschlossenen Status.“ (Wolfgang Siano)