A Night in Tunesia

Dauer der Ausstellung: 28. Juni bis 23. Juli 1992

Michael Lenhardt (DE)

A Night in Tunesia

Ausstellungssituation mit Glasmosaiken und Glasskulpturen.

28. Juni bis 23. Juli 1992

Michael Lenhardt (DE)

«Paul Klee geht eine Treppe», war auf der Einladung zur Ausstellung A Night in Tunesia, die eine Art Reaktion auf die Schau des Bauhausmeisters zu sein schien, zu lesen, und dass Michael Lenhardt in der Schule «meist letzte Bank, Fensterreihe» saß – schon damals kein Mensch großer Gebärden und Worte. Sie überflüssig zu machen, Innezuhalten in der Hektik des Tages, Fragwürdigkeiten und dem Unerschlossenen im Erschlossenen Platz einzuräumen, Eindeutigkeiten aus dem Weg zu gehen, entsprach eher der poetischen Weltsicht des Träumers, Staunenden, Spielenden. Glasbilder wie Frau mit Vogel auf der Schulter (sitzend) in einer Glasgondel (1992) oder Frau durch eine Glaswand kommend (1992) und Glasskulpturen wie Fool on the Hill (1992) stellte er ins Zentrum seiner Ausstellung. Scheinbar zufällig wurden dafür Glasscherben, weggeworfen und unnütz, wie man sie auf Müllplätzen findet, «verunglückte» Formen, in erholsamen Arbeitspausen absichtslos zu skurrilen Gebilden zusammengesetzt: Für Lenhardt eine neue Möglichkeit, mit sich und der Welt umzugehen. Gemälde wie Aber wenn die Häuser (1980), Dame vor dem Fernseher (1989) oder Der Vulkanologe (1992) verwandelten Dinge, Menschen und Landschaften, betrachtet durch das Lenhardtsche Prisma, ins atmosphärisch dichte, arabisch Rätselhafte. Seinen Abend in der fremden Stadt (1992) verbringt er flanierend durchs Labyrinth hell erleuchteter, exotischer Straßenbasare – dahinter im Dämmerschein eine italienisch anmutende Kirchensilhouette. Das Licht und die Farben der Fremde liebte bereits Klee auf seiner Tunis-Reise 1914. Lenhardt komponierte sein Titelwerk, inspiriert von Dizzy Gillespies 1942er-Jazz-Standard Night in Tunesia, als nordafrikanische Nachtlandschaft mit Mond und schneebedecktem Gipfel hinter maurischem Gemäuer.