Photographie am Bauhaus

19. Mai bis 22. Juni 1991

Gertrud Arndt (DE) | Theo Ballmer (CH) | Katt Both (DE) | Marianne Brandt (DE) | T. Lux Feininger (US) | Werner David Feist (DE) | Louis Held (DE) | Grit Kallin-Fischer (DE) | Heinz Loew (DE) | Hannes Meyer (CH) | Lucia Moholy (GB) | Hajo Rose (DE) | Joost Schmidt (DE) | Lotte Stam-Beese (NL) | Hans Volger (DE) u. a.

Photographie am Bauhaus

Hajo Rose: Selbstporträt, 1932, mit Ausstellungsgästen.

Gertrud Arndt (DE) | Theo Ballmer (CH) | Katt Both (DE) | Marianne Brandt (DE) | T. Lux Feininger (US) | Werner David Feist (DE) | Louis Held (DE) | Grit Kallin-Fischer (DE) | Heinz Loew (DE) | Hannes Meyer (CH) | Lucia Moholy (GB) | Hajo Rose (DE) | Joost Schmidt (DE) | Lotte Stam-Beese (NL) | Hans Volger (DE) u. a.

Offiziell nahm die Fotoklasse von Walter Peterhans (1897 – 1960), vorrangig konzipiert für Werbung und Design, erst 1929 in Dessau ihre Arbeit auf, faktisch aber war das neue Gestaltungsmedium bereits am Bauhaus in Weimar längst präsent. Spätestens seit 1923, als László Moholy-Nagy das Kreativpotenzial der Weimarer Kaderschmiede verstärkte, setzten Meister und Schüler vermehrt die Kamera zur Gestaltung und Dokumentation ein. Es entstanden einzigartige Belege über Leben, Lernen und Wohnen einer außergewöhnlich schöpferischen Gruppe von Menschen – geplante Schnappschüsse. Vor allem solche «Kopfschüsse» aus der Frühzeit des Bauhauses und herausragende Beispiele künstlerischer und experimenteller Photographie am Bauhaus wurden in der Kunstfest-Ausstellung gezeigt, 51, teils noch nie öffentlich ausgestellte Originalabzüge, zusammengestellt von der Kölner Galerie Rudolf Kicken seit 2000 Galerie Kicken Berlin) mit dem Kunstfest-Kuratoriumsvorsitzenden Johannes Gross und dem Privatsammler Manfred Schumacher. Lucia Moholy (1894 – 1984) war nach Abschluss einer Lehre im stadtansässigen Atelier Eckner die einzige ausgebildete Fotografin am Weimarer Bauhaus und schuf mit ihren Arbeiten den Grundstock für die ersten Veröffentlichungen an der Schule. Ihre Porträts, Objektfotos und Gebäudeserien waren Meilensteine in der Nutzung der Kamera für künstlerische Zwecke. Später gab sie mit Peterhans Kurse in Leipzig und Dessau. Nach ihrer Londoner Emigration ging ihr Negativarchiv im Krieg verloren – einige erhaltene Originalabzüge waren im ACC präsent. Ähnlich wie sie arbeitete Heinz Loew (1903 – 81) nach der Emigration in London als Fotograf und Designer. In der plastischen Werkstatt unter Joost Schmidt entstanden zahlreiche seiner Aufnahmen von experimentellen Körpern, die eine fast magische Plastizität erreichten. T. Lux Feininger (geb. 1910), am Bauhaus aufgewachsener jüngster Sohn des Meisters Lyonel und Liebhaber ungewöhnlicher Perspektiven, machte eine Vielzahl dokumentarischer Gruppenbilder, aber auch Bühnenfotos und Aufnahmen der Bauhauskapelle, deren begeistertes Jazzmitglied am Banjo er war. Oft mit sehr einfachen Kameras tauchten die Photographen mittels Doppelbelichtung, Montage (Hajo [Hans-Joachim] Rose: Selbstporträt), raffinierter Beleuchtung und brillanter Motivwahl (Katt Both: Atikah Zigaretten) in ungeahnte künstlerische Welten. Lotte Stam-Beese (1903 – 88), nach ihrer Zeit am Bauhaus Architektin in Moskau und Rotterdam, hinterließ experimentierfreudige, feinsinnige Bilder mit konstruktivistischen Elementen, die sich schrittweise vom Objekt befreiten – mit der unmittelbaren Wiedererkennbarkeit des abgelichteten Gegenstands wird spätestens hier künstlerisch gebrochen. Auch die Stillleben (Komposition mit Kugelformen), Lichtstudien und Porträts von Grit Kallin-Fischer (1897 – 1973) und Hannes Meyer (1889 – 1954) sind aus dieser Ästhetik komponiert. Trotzdem ließ wohl eher der artistische Spieltrieb der Bauhäusler viele dieser Aufnahmen entstehen. So schreibt Werner David Feist, als Schüler bei Joost Schmidt und Walter Peterhans von 1927 – 30 am Bauhaus und nach dem Krieg Lehrer für Design in Kanada: «Worauf ich aus war (in der Photographie), war das Experiment mit dieser relativ neuen und sich ständig verfeinernden Technik. Das Experiment, das Ertasten der Grenzen, das Aufbrechen der Gesetze und Regeln, um neue Bereiche zu entdecken – das war der alles beherrschende Geist am Bauhaus. Im heutigen Sprachgebrauch hieße das wohl: Wir waren Nonkonformisten.»